Verkehrsrecht

Geblitzt worden? So prüfen Sie den Bußgeldbescheid

Messmethoden, Toleranzabzug und typische Fehler bei Blitzern. Erfahren Sie, wann sich ein Einspruch lohnt.

Erst Recht Redaktion
8 min Lesezeit
Titelbild zum Artikel: Geblitzt worden? So prüfen Sie den Bußgeldbescheid

Geblitzt -- und jetzt?

Sie wurden geblitzt und haben einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid erhalten? Bevor Sie das Bußgeld einfach bezahlen, sollten Sie den Bescheid genau prüfen. Denn nicht jede Messung ist fehlerfrei. In diesem Artikel erklären wir Ihnen die gängigen Messmethoden, den Toleranzabzug und typische Fehlerquellen.

Die gängigen Messmethoden

In Deutschland kommen verschiedene Verfahren zur Geschwindigkeitsmessung zum Einsatz:

Radar-Messung

Radargeräte senden elektromagnetische Wellen aus und messen die Geschwindigkeit anhand des Dopplereffekts. Typische Fehlerquellen: falscher Aufstellwinkel, Reflexionen durch andere Fahrzeuge oder Metallzäune, Messung über mehrere Fahrspuren.

Laser-Messung (LIDAR)

Lasermessgeräte messen die Entfernungsänderung eines Fahrzeugs über Lichtimpulse. Fehlerquellen: Verwacklungen durch den messenden Beamten, falsche Zuordnung bei dichtem Verkehr, fehlende Dokumentation der Messung (da kein Beweisfoto).

Induktionsschleifen

In die Fahrbahn eingelassene Schleifen messen die Geschwindigkeit über die Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um zwei Schleifen zu überfahren. Fehlerquellen: Verschleiß der Schleifen, fehlerhafte Kalibrierung.

Section Control (Abschnittskontrolle)

Dieses Verfahren misst die Durchschnittsgeschwindigkeit über einen längeren Streckenabschnitt. Am Anfang und Ende der Strecke werden die Kennzeichen erfasst und die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet.

Toleranzabzug: Wie wird er berechnet?

Um Messungenauigkeiten auszugleichen, wird ein Toleranzabzug vorgenommen (§ 3 StVO):

  • Bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h: 3 km/h Toleranzabzug
  • Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h: 3 % der gemessenen Geschwindigkeit

Beispiel: Sie werden mit 73 km/h in einer 50er-Zone gemessen. Nach Abzug von 3 km/h liegt die vorwerfbare Geschwindigkeit bei 70 km/h -- also 20 km/h zu schnell.

Foto-Identifizierung: Wer ist der Fahrer?

Der Bußgeldbescheid richtet sich gegen den Fahrer, nicht gegen den Fahrzeughalter. Ist der Fahrer auf dem Blitzerfoto nicht eindeutig erkennbar, kann dies ein Grund für einen erfolgreichen Einspruch sein. Häufige Probleme:

  • Überbelichtetes oder unscharfes Foto
  • Sonnenblende verdeckt das Gesicht
  • Sonnenbrille oder Kopfbedeckung
  • Das Foto zeigt eine andere Person als den Halter

Wichtig: Können Sie als Halter nicht als Fahrer identifiziert werden, kann die Behörde eine Fahrtenbuchauflage verhängen (§ 31a StVZO).

Messprotokoll und Eichschein anfordern

Nach Einlegung des Einspruchs sollten Sie über die Akteneinsicht folgende Dokumente anfordern:

  • Messprotokoll: Enthält Angaben zur Messanlage, zum Aufstellort und zur Durchführung
  • Eichschein: Nachweis über die ordnungsgemäße Eichung des Messgeräts
  • Schulungsnachweis: Beleg, dass der messende Beamte für das Gerät geschult ist
  • Beweisfotos: Alle Aufnahmen der Messung, nicht nur das im Bescheid verwendete

Typische Fehler, die zum Erfolg führen

  • Abgelaufene Eichung: Die Eichgültigkeit beträgt in der Regel 1 Jahr. Ist sie abgelaufen, ist die Messung anfechtbar.
  • Falscher Aufstellort: Das Messgerät muss exakt gemäß Bedienungsanleitung aufgestellt werden.
  • Fehlender Schulungsnachweis: Ohne Schulung des Messpersonals ist die Messung formell fehlerhaft.
  • Verjährung: Liegt der Verstoß länger als 3 Monate zurück und wurde die Verjährung nicht unterbrochen, ist das Verfahren einzustellen.
  • Zustellungsfehler: Der Bescheid muss ordnungsgemäß zugestellt werden.

Checkliste: Blitzer-Bußgeldbescheid prüfen

  • Ist die Frist noch offen? 2 Wochen ab Zustellung für den Einspruch
  • Stimmt die Geschwindigkeit? Toleranzabzug korrekt berechnet?
  • Sind Sie auf dem Foto erkennbar? Fahrer muss eindeutig identifizierbar sein
  • Ist das Messgerät geeicht? Eichschein über Akteneinsicht anfordern
  • War das Messpersonal geschult? Schulungsnachweis prüfen
  • Ist der Verstoß verjährt? 3-Monats-Frist prüfen
  • Bei Fahrverbot oder hohem Bußgeld: Rechtliche Beratung einholen

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für eine individuelle rechtliche Beratung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt. Die Informationen wurden nach bestem Wissen erstellt, eine Haftung für die Richtigkeit wird jedoch nicht übernommen.

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