Welche Rechtsprobleme beschäftigen die Menschen in Deutschland? Und hängt die Antwort davon ab, wo sie fragen? Für diese Ausgabe haben wir 4.510 öffentliche Rechtsfragen ausgewertet, gestellt zwischen dem 1. April und dem 31. August 2026, und jede einzeln einem Rechtsgebiet zugeordnet. Das wichtigste Ergebnis: Es gibt nicht die eine Rangliste. In einem großen allgemeinen Frage-Portal betreffen knapp zwei Drittel der zugeordneten Fragen das Straf- oder Verkehrsrecht. In drei spezialisierten Rechtsforen stehen dagegen Mietrecht und Arbeitsrecht vorn. Erstmals zeigen wir außerdem, welche Rechtsgebiete bei Erst Recht selbst angefragt werden.
Die Zahlen im Überblick
Anteile an den Fragen, die eindeutig einem der sieben Rechtsgebiete zugeordnet wurden, also ohne die Kategorie „Sonstiges“ und ohne unsichere Zuordnungen (Details zur Methodik unten):
| Rechtsgebiet | Frage-Portal | Rechtsforen |
|---|---|---|
| Strafrecht | 33,8 % | 12,2 % |
| Verkehrsrecht | 30,1 % | 7,0 % |
| Arbeitsrecht | 15,0 % | 19,7 % |
| Vertragsrecht | 10,1 % | 16,5 % |
| Mietrecht | 4,6 % | 25,9 % |
| Familienrecht | 3,4 % | 8,5 % |
| Erbrecht | 3,1 % | 10,2 % |
| Basis: eindeutig zugeordnete Fragen | 1.597 | 1.406 |
Hinzu kommen 1.460 Fragen (32,4 %), die keinem der sieben Gebiete angehören: im Frage-Portal 39,9 %, in den Rechtsforen 21,4 %. Mehr dazu in Beobachtung 3.
Beobachtung 1: Im Frage-Portal geht es um Strafe und Straßenverkehr
Im allgemeinen Frage-Portal entfallen 33,8 % der zugeordneten Fragen auf das Strafrecht und 30,1 % auf das Verkehrsrecht, zusammen knapp zwei Drittel. Die Fragetitel zeigen, worum es konkret geht: Im Verkehrsrecht nennt rund jede vierte Frage Blitzer, Bußgeld, Punkte oder Parkverstöße, 15 % nennen den Führerschein, die Probezeit, die MPU oder ein Fahrverbot. Im Strafrecht geht es in etwa jeder sechsten Frage um Polizei, Anzeige, Vorladung oder Ermittlungen.
Miet-, Familien- und Erbrecht spielen im Portal dagegen kaum eine Rolle: Zusammen kommen sie auf rund 11 %. Eine mögliche Erklärung: In einem allgemeinen Frage-Portal fragen viele Menschen spontan und kurz („Was droht mir jetzt?“) und hoffen auf eine schnelle Antwort aus der Community. Längere, verwickelte Fälle landen eher dort, wo sich Fachleute beteiligen.
Beobachtung 2: In den Rechtsforen geht es um Wohnung und Job
In den drei Rechtsforen führt das Mietrecht mit 25,9 %, gefolgt vom Arbeitsrecht mit 19,7 %, zusammen fast die Hälfte der zugeordneten Fragen. Im Arbeitsrecht nennt fast jede dritte Frage schon im Titel eine Kündigung, einen Aufhebungsvertrag oder eine Abfindung; danach folgen Lohn, Gehalt und Überstunden sowie der Urlaub. Im Mietrecht stehen Kündigung, Eigenbedarf und Räumung vorn (16 %), gefolgt von der Nebenkostenabrechnung (11 %) und Mängeln wie Schimmel samt Mietminderung (9 %).
Auch Erb- und Familienrecht sind in den Foren deutlich stärker vertreten als im Portal: zusammen 18,7 % gegenüber 6,4 %. Das passt zu Themen, bei denen viel Vorgeschichte, Dokumente und Beteiligte zusammenkommen. Eine Erbengemeinschaft oder ein Streit um Unterhalt lässt sich schwer in einer Zeile schildern.
Beobachtung 3: Jede dritte Frage liegt außerhalb der sieben Gebiete
1.460 der 4.510 Fragen (32,4 %) haben wir keinem der sieben Rechtsgebiete zugeordnet, sondern unter „Sonstiges“ geführt. Diese Gruppe ist nicht einheitlich, und sie unterscheidet sich je nach Quelle:
- Frage-Portal (39,9 %): Hier finden sich viele politische Debatten und Meinungsfragen, die unter dem Thema „Recht“ gestellt werden, dazu allgemeine Alltagsfragen ohne konkreten Rechtsbezug, aber auch Fragen zu Inkasso, Vollstreckung oder Anwaltskosten.
- Rechtsforen (21,4 %): Hier handelt es sich überwiegend um weitere Rechtsgebiete, die wir nicht als eigene Kategorie führen, etwa Sozialrecht (Wohngeld, Krankengeld, Arbeitslosengeld, Renten), Aufenthaltsrecht, Wege- und Leitungsrechte oder Versicherungsfragen.
Diese Beschreibung beruht auf einer stichprobenartigen Durchsicht, nicht auf einer Vollzählung. Deshalb weisen wir „Sonstiges“ gesondert aus und berechnen die Anteile der sieben Rechtsgebiete ohne diese Gruppe.
Beobachtung 4: Kein belastbarer Sommer-Trend
Unsere erste Ausgabe endete mit der Frage, ob der Sommer-Trend Bestand hat. Für die Rechtsforen, deren Fragen wir täglich erfasst haben, lässt sich das vergleichen: Das Mietrecht führt in beiden Zeiträumen (April/Mai 28,5 %, Juni bis August 23,9 %), das Arbeitsrecht folgt jeweils auf Platz zwei (17,9 % bzw. 21,0 %). Das Strafrecht legt von 10,1 % auf 13,7 % zu, das Erbrecht geht von 12,4 % auf 8,6 % zurück.
Bei rund 600 bzw. 800 zugeordneten Fragen je Zeitraum liegen Verschiebungen dieser Größe aber noch im Bereich zufälliger Schwankungen. Einen belastbaren Trend lesen wir daraus nicht ab. Für das Frage-Portal verzichten wir ganz auf einen Zeitvergleich: Dessen Fragen aus Juli und August konnten wir erst im September nachträglich erfassen. Das ist eine andere Auswahl als bei täglicher Erhebung.
Beobachtung 5: Bei Erst Recht steht das Arbeitsrecht vorn
Zum Vergleich haben wir auch alle Analysen ausgewertet, die seit dem Start bei Erst Recht selbst angelegt wurden. Anders als in Portal und Foren wird das Rechtsgebiet hier bei der Eingabe selbst gewählt. Das Bild liegt näher an den Rechtsforen als am Frage-Portal: Das Arbeitsrecht macht 29 % der Analysen aus, die einem der sieben Rechtsgebiete zugeordnet sind, gefolgt von Vertragsrecht (22 %), Mietrecht (19 %) und Familienrecht (15 %). Verkehrsrecht kommt auf 6 %, Strafrecht auf 5 % und Erbrecht auf 3 %. 12 % aller Analysen liefen unter „Sonstiges“.
Was sich gegenüber der Ausgabe 08/2026 ändert
Unsere erste Ausgabe beruhte auf einer automatischen Zuordnung nach Schlüsselwörtern. Für diese Ausgabe haben wir den gesamten Bestand neu geprüft: Jede Frage wurde einzeln eingeordnet, mit einer dokumentierten Begründung. Angewendet auf genau dieselben 6.233 Fragen der ersten Ausgabe, ergibt sich ein anderes Bild:
- „Sonstiges“ fast doppelt so groß: 2.045 Fragen (32,8 %) statt 1.070 (17,2 %). Viele Fragen, die die Schlüsselwort-Zuordnung einem Rechtsgebiet zugeschlagen hatte, gehören bei näherer Prüfung zu keinem der sieben Gebiete.
- Neue Reihenfolge: Strafrecht 18,6 %, Vertragsrecht 17,4 %, Verkehrsrecht 15,4 %, Arbeitsrecht 15,1 %, Mietrecht 14,6 %, Erbrecht 9,9 %, Familienrecht 9,1 % (4.106 eindeutig zugeordnete Fragen). Veröffentlicht hatten wir Arbeitsrecht (18,6 %), Mietrecht (17,6 %) und Strafrecht (17,2 %) an der Spitze.
Die Aussage „Arbeitsrecht ist die Nummer 1“ hält der Einzelprüfung damit nicht stand. Wichtiger noch: Eine gemeinsame Rangliste über alle Quellen hängt stark davon ab, wie viele Fragen aus welcher Quelle stammen. Im Bestand der ersten Ausgabe kam gut die Hälfte aus dem Frage-Portal. Deshalb weisen wir Portal und Rechtsforen ab dieser Ausgabe getrennt aus.
Wie wir die Daten erhoben haben
Transparenz gehört für uns dazu. Deshalb hier die Methodik im Detail:
- Datenbasis: 4.510 öffentlich gestellte Rechtsfragen, erstellt zwischen dem 1. April und dem 31. August 2026: 2.680 aus einem großen allgemeinen Frage-Portal, 1.830 aus drei spezialisierten Rechtsforen. Erfasst werden jeweils ausgewählte Themenbereiche der Quellen; Duplikate wurden entfernt.
- Zeitraum: In diesem Zeitraum lieferten alle vier Quellen Daten. Seit Anfang September können wir zwei der drei Rechtsforen nicht mehr abrufen; spätere Fragen sind deshalb nicht vergleichbar und nicht enthalten. Die Portal-Fragen aus Juli und August wurden erst im September nachträglich erfasst. Der gemeinsame Anteil von Straf- und Verkehrsrecht liegt sowohl bei den zeitnah als auch bei den nachträglich erfassten Portal-Fragen zwischen 63 und 65 %.
- Einordnung: Jede Frage wurde einzeln und KI-gestützt anhand von Titel und Schlagwörtern einem Rechtsgebiet zugeordnet, bei rund zwei Dritteln zusätzlich anhand des Fragetexts. Die Begründung ist je Frage dokumentiert. Eine anwaltliche Prüfung der einzelnen Zuordnungen fand nicht statt.
- Unsichere Zuordnungen: 47 Fragen, deren Zuordnung zu einem der sieben Gebiete als unsicher markiert ist, sind in den Anteilen nicht enthalten.
- „Sonstiges“: 1.460 Fragen zu weiteren Rechtsgebieten oder zu allgemeinen Themen und Debatten weisen wir gesondert aus. Die Prozentwerte der sieben Rechtsgebiete beziehen sich auf 3.003 eindeutig zugeordnete Fragen (Portal 1.597, Foren 1.406).
- Erst-Recht-Analysen: Alle Analysen, die seit dem Start der Plattform bis zum 20. Oktober 2026 angelegt wurden. Das Rechtsgebiet wird bei der Eingabe selbst gewählt; die Anteile sind ohne „Sonstiges“ berechnet. Ausgewertet wurde nur die Verteilung nach Rechtsgebiet, keine Inhalte einzelner Analysen.
- Themen: Die Themenangaben innerhalb der Rechtsgebiete beruhen auf Stichwörtern im Fragetitel. Es sind Mindestwerte; eine Frage kann mehrere Themen nennen.
- Datenschutz: Ausgewertet wurden ausschließlich aggregierte Verteilungen. Einzelne Fragen oder Personen nennen wir nicht.
- Aussagegrenzen: Die Fragen sind keine repräsentative Stichprobe für Deutschland. Welche Quellen und Themenbereiche wir erfassen und wie aktiv diese sind, prägt die Verteilung. Die Unterschiede zwischen Portal und Foren beschreiben diese Quellen, nicht die Bevölkerung.
Was das für Sie bedeutet
Ob Blitzerfoto, Vorladung, Kündigung oder Nebenkostenabrechnung: Bei vielen der häufigsten Fragen laufen Fristen. Gegen eine Kündigung des Arbeitgebers bleiben in der Regel drei Wochen für die Kündigungsschutzklage, gegen einen Bußgeldbescheid zwei Wochen für den Einspruch, und Einwendungen gegen die Nebenkostenabrechnung müssen Mieter spätestens zwölf Monate nach Zugang erheben. Allgemeine Antworten in Foren helfen bei der Orientierung, ersetzen aber nicht den Blick auf Ihren konkreten Fall.
Genau dafür gibt es Erst Recht: Sie schildern Ihre Situation, unsere KI-gestützte Analyse für deutsches Recht ordnet sie rechtlich ein und zeigt Ihnen Fristen, Optionen und nächste Schritte. Sie erhalten eine rechtliche Ersteinschätzung, verständlich und ohne Juristendeutsch. Ob Verkehrsrecht, Mietrecht oder Arbeitsrecht: Verschaffen Sie sich Orientierung, bevor Fristen ablaufen.
Fazit
Wo Menschen ihre Rechtsfrage stellen, prägt, worum es geht: Im allgemeinen Frage-Portal dominieren Strafe und Straßenverkehr, in den Rechtsforen Wohnung und Job, bei Erst Recht selbst bislang das Arbeitsrecht. Einen belastbaren Sommer-Trend zeigen die Daten nicht, und die Einzelprüfung korrigiert das Ranking unserer ersten Ausgabe. Der Rechtsreport weist die Quellen deshalb ab jetzt getrennt aus und sagt offen, was die Daten tragen und was nicht.

